Einfach heiraten!

In diesem Jahr hat sich unsere Kirchengemeinde an dieser bundesweiten EKD-Aktion beteiligt, und unsere Martin-Luther-Kirche war am 06.06.26 die einzige Kirche in unserem Kirchenkreis, die dies anbot.

Und was soll ich sagen?! Ein echter Auftakterfolg.

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne neue Konzepte und Ideen mitmache oder angehe. Bei „Einfach heiraten” war es nicht ganz so. Tatsächlich stand ich der Aktion leicht skeptisch gegenüber als Diakonin Simone Hansen mir den Vorschlag unterbreitete. Ein Grund lag darin, dass noch im letzten Jahr diese Aktion auch als „PopUp Hochzeit” bezeichnet wurde. Damit habe ich Schwierigkeiten. Mal eben heiraten – das hat den Geschmack von Aktionismus, von Beliebigkeit, auch den Geschmack von Spaß-Gesellschaft.

Dabei ist die Ehe, und damit die Heirat, so wie Martin Luther sagte, „ein ernstlich Geschäft“. Ungenommen: Luther hat die Trauung aus dem Sakramentskanon der röm.-kath. Kirche herausgenommen, denn die Ehe ist „ein äußerlich, weltlich Ding”. Das bedeutet aber nun nicht Beliebigkeit. Gott stiftet die partnerschaftliche Gemeinschaft. Er segnet und schützt darum die Ehe, das Leben in Partnerschaft. Luther plädierte leidenschaftlich dafür, ausgehend von Sätzen der Bibel, dass Liebe und Treue in der Ehe Bestand haben.

So wunderte es mich nicht, dass es kritische Stimmen in unserer Stadt gab, als wir „Einfach heiraten“ terminlich mit Presse und großem Plakat ankündigten.

„Ihr verramscht die Trauung”, so musste es Diakonin Simone Hansen hören. Und mir wurde mehrfach zugerufen, wir würden Hochzeiten á la Las Vegas anbieten – Drive-In-Trauungen. Rein in die Kirche – und in 3 Minuten verheiratet wieder raus.

Nun, warum bin ich von diesem kirchlichen Angebot, von dieser Aktion dennoch überzeugt und auch begeistert?

Weit im Vorfeld sprachen mich einzelne Gemeindeglieder und auch Paare an, dass sie dieses kirchliche Angebot großartig finden. Als Gründe wurden gesagt: Wir sind „nur” standesamtlich verheiratet. Entweder weil wir einst kein Brimborium haben wollten, oder weil uns schlicht und ergreifend das Geld fehlte, oder weil eine tiefere Erkenntnis über und von dem Segen Gottes für das gemeinsame Leben bei uns noch nicht gewachsen war.

Da war kein Larifari, keine Spaßgesellschaft, keine Beliebigkeit im Gespräch, sondern Tiefe.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. So lesen wir es bei jeder kirchlichen Trauung vor.

Das Angebot „Einfach heiraten” nahmen durchweg, ausnahmslos Paare an, für die diese Erkenntnis des Bibelwortes Tragweite hat.

Am 06.06.26 kamen zu uns Paare, die lange und auch schon sehr lange zusammen sind. Für sie war der Wunsch, den Segen Gottes zu empfangen, ein Herzens- und ein Seelenwunsch.

Insofern sind Formulierungen einiger Pfarrpersonen in unserer Landeskirche, wie z.B. „Kommt vorbei und holt euch den Segen ab”, vollkommen abwegig. DAS ist Las Vegas bzw. der Segen Gottes als Fastfood-Konsum. Davon grenze ich mich sehr bewusst ab. Und die Paare, die zu uns kamen, widersprachen dem in Gänze. Für sie ist der Zuspruch des göttlichen Segens eine Stärkung des gemeinsamen Lebens und ihrer Liebe.

Diesen Segen zuzusprechen ist pastoraler Auftrag. Und die Menschen, denen wir anvertraut sind, fragen danach, ja, sie sehnen sich sogar danach.

Fast alle Paare kamen bewusst alleine, vielleicht mit einem Familienmitglied. Kein großer Bahnhof, sondern Konzentration.

In meinen über 30 Dienstjahren habe ich selten so intensive Momente bei einer Trauung und bei einer Segnung erlebt wie an diesem Samstag in unserer Kirche.

Was ich auch hörte: „Sag mal … Dieses Jahr können wir nicht – macht ihr das nächste Jahr noch einmal?“

Ja! Werden wir. Und ich freue mich schon heute darauf, Gottes Segen für die Liebe wieder zuzusprechen.

Kommt behütet durch den Herbst!

Jörg Eulenstein

 

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