Impuls 27.03.2020

„Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Röm 8,26)

Momentan finden keine Gottesdienste statt. Wir beten allein oder mit wenigen Menschen an unserer Seite. Statt wie in Messen oder Gottesdiensten angeleitet mit vielen zusammen zu beten, andere Stimmen zu hören und sich ganz auf den Moment zu konzentrieren, sind wir nun selbst in der Verantwortung.
Und die liegt manchen schwerer als anderen auf.
Ich finde es erleichternd, den Römerbrief zu lesen, der uns zusagt: Unsere Gebete müssen nicht perfekt ausformuliert sein. Sie müssen nicht abgelesen werden, ja sie müssen nicht einmal aus ganzen Wörtern und Sätzen bestehen.

Denn Gott versteht uns. Er fühlt unsere Gefühle, hört unsere Gedanken und sieht in unsere Herzen und Köpfe hinein. Für manche mag das bedrohlich sein. Ich empfinde es als tröstend.

Gott ist bei uns. Er hört uns - ob wir alleine beten oder mit vielen. Und er versteht uns.

Möge Gott Sie dies spüren lassen

Ihre Vikarin Mandy Liebetrau

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Impuls 26.03.2020

Liudger – Als der erste Bischof von Münster, der heilige Liudger, am 26. März des Jahres 809, als genau vor 1211 Jahren, in Billerbeck starb, hinterließ er ein beachtliches Lebenswerk. In wenigen Jahren hatte er in dem sehr dünn besiedelten Gebiet eine kirchliche Struktur geschaffen; aber eigentlich war etwas anderes viel wichtiger, wie uns sein Biograph Gregor von Utrecht überliefert: Er bereitete mit der Christianisierung der Versöhnung den Weg. Der Frankenkönig Karl der Große hatte die rebellischen Sachsen (nicht die heutigen Sachsen, sondern unsere Vorfahren) besiegt und die sächsischen Adligen zwangschristianisiert. Christliche Missionierung war in den Augen der westfälischen Bevölkerung (die Westfalen sind eine der drei Unterstämme der Sachsen) also eine Maßnahme der verhassten fränkischen Herrscher. Mit viel Geduld, Wohlwollen und Liebe verschaffte sich der Bischof Zugang zu den ablehnenden und verschlossenen Menschen, und durch ihn bekam das Christentum, für das Liudger sich mit ganzer Überzeugung einsetzte, ein menschliches und friedliches Gesicht. In einem alten Hymnus zum Fest des hl. Liudger wird dieser Gegensatz zwischen Karl dem Großen und Liudger zum Ausdruck gebracht: »Während der Kaiser mit blutigen Waffen diese Provinz besiegte, brachte der Bischof auf den Altären das unblutige Opfer (sc. den Kreuzestod Jesu) dar; so gründete und nährte er als Erster dieses Bistum« (aus dem Hymnus »Lux serena, lux decora«).

Besonders deutlich wird sein Versöhnungswirken in einer Tatsache, der wir heute kaum noch Beachtung schenken: in der Wahl der Heiligen, unter die er die von ihm gegründeten Pfarreien stellte. Der Domkirche gab er den hl. Paulus, den Völkerapostel, als Patron. Er gründete zahlreiche Taufkirchen, die er dem hl. Johannes dem Täufer weihte. Heiligen, die den Franken besonders wichtig waren (Martin z.B. in Greven und Nottuln, Dionysius in Rheine und Havixbeck), stellte er den hl. Lambert (Münster, Coesfeld) zur Seite, einem der wichtigsten Heiligen für Friesen und Sachsen. Und er verband das neugegründete Bistum mit der Gesamtkirche, dargestellt in den Aposteln und den alten römischen Heiligen (u. a. der hl. Laurentius in Warendorf und die hl. Lucia in Harsewinkel).

Was hat das mit heute zu tun? Vielleicht dies: Wir Christen sind aufgerufen, mit wohlwollender Geduld, menschlicher Zuwendung, lebendiger Authentizität und einem weiten Herzen den Glauben zu leben und zu verkünden. Dort, wo andere heute Abgrenzung, ja Ablehnung und Hass predigen, mögen wir deutliche Gegenakzente setzen. Deshalb können wir nicht anders, als in den eigenen Reihen die Gräben zwischen den Konfessionen zu überwinden; und denen (es werden immer mehr), die unsere kirchlichen Institutionen ablehnen und/oder überhaupt nicht mehr glauben, gilt es, mit eben diesem Wohlwollen zu begegnen. Kleine Zeichen von Menschlichkeit sind meistens mehr als große Worte. Und über den eigenen Tellerrand zu schauen und den Horizont zu weiten, hat noch niemandem geschadet. Bleiben wir wachsam und werden wir herzlich!

Ihr Pater Gottfried

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Impuls 23.03.2020

Es sind in diesen Tagen schon beklemmende Gefühle, die mich begleiten. Zweimal bin ich in der vergangenen Woche auf dem Friedhof gewesen, um Menschen zu beerdigen und Trauernde zu begleiten. Zweimal nach den neuen Bestimmungen, nur im engsten Familienkreis und maximal zusätzlich 15 Personen, die sich in gebotenen Abständen in der Friedhofskapelle versammelten. Mich schmerzte die Situation, dass nicht alle Menschen, die in einer Beziehung zu den Verstorbenen standen, Abschied nehmen durften. Zur Trauer über den Tod gesellte sich die Traurigkeit über eine Gemeinschaft, die wir im Moment nicht so leben können wie noch vor wenigen Wochen: geschlossene Kirchen, keine Gottesdienste, kein gemeinsamer Gesang, keine sichtbare Gemeinschaft in den Gruppen und Kreisen, kein näheres Zusammenstehen bei Begegnungen in der Stadt oder in den Geschäften.

Dann aber gibt es doch auch gute Zeichen gegen die Resignation. Die Hilfen beim Einkauf, die angeboten werden, Nachbarschaften stehen füreinander ein, helfen sich gegenseitig und vieles mehr, was mir Mut macht, dass wir doch noch eine solidarische Gemeinschaft sind.

Auch die vielen symbolischen Zeichen bewirken viel: das Applaudieren zu bestimmten Zeiten für Menschen, die durch ihren Beruf besonders gefährdet und gleichzeitig gerade jetzt so wichtig für unsere Gesellschaft sind, der Gesang auf den Balkonen und Fenstern, ein Gruß auf der Straße, der nicht mehr heißt: mach’s gut, sondern: bleib gesund, als ehrlicher Wunsch für einen Menschen den wir gerade getroffen haben.

Am Freitag haben wir als Kirchen- und Pfarrgemeinden erstmals gemeinsam Kerzen in die Fenster gestellt und um 19.30 für 5 Minuten die Glocken geläutet. Was für ein großes Zeichen der Gemeinschaft.  In vielen Gemeinden unserer Landeskirchen und Bistümer läuten zur selben Zeit die Glocken, laut und kräftig. Und sie singen ein Lied: lasst Euch nicht unterkriegen, versteckt Euch nicht, zündet Kerzen der Hoffnung an, verliert nicht den Mut und die Hoffnung in aller Bedrohung.

Im Alten Testament, im Buch der Sprüche heißt es:

Hoffnung, die sich verzögert, ängstigt das Herz;

wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.

Im Moment sind wir verängstigt, wenn wir die Bilder aus Italien oder anderen Ländern sehen. Ja, wir sind verängstigt, weil wir langsam merken, Corona ist keine harmlose Form der Grippe. Ja, wir sind verängstigt, weil niemand von uns genau sagen kann, wie die mögliche Erkrankung verläuft.

Gleichzeitig aber wird auch irgendwann diese Bedrohung beendet sein.

Wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.

Ja, es wird ein Baum des Lebens sein, der aus der Krise erwächst. Wir werden gespürt haben, dass wir zusammen gehören. Wir werden gemeinsam wieder Gottesdienste als sichtbare Gemeinde feiern, wir werden fröhlich tanzen und uns wieder in den Arm nehmen und dankbar sein, dass die Hoffnung uns durch Krankheit und sicherlich auch durch manches Leid und Entbehrung getragen hat.

Verliert niemals die Hoffnung und bleibt gesund!!

Ihr/Euer

Martin Liebschwager

 

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Impuls 25.03.2020

Impuls zum 25. März

Der heutige Tag ist in der Katholischen Kirche ein Festtag. Neun Monate vor dem Weihnachtsfest feiern die Christen die Verkündigung der Geburt Jesu an eine junge Frau mit Namen Maria durch den Engel Gabriel, wie es im ersten Kapitel des Evangelisten Lukas geschildert wird. Wir sehen in dieser jungen Frau Maria einen Menschen, der sich auf Gott einlässt. Einen Menschen, der nicht in politischer, sondern in existenzieller Weise aufmerksam ist auf mehr als sich selbst. Das geschieht bei Maria nicht ohne Erschrecken vor dem, was sie hört und wahrnimmt. Aber sie steht ehrlich in ihrem Wesen und offen vor Gott, ist dabei weder oberflächlich noch naiv. Sie nimmt ihre eigenen Fragen wahr und spricht sie aus. Sie ist in der Lage zu vertrauen und zu glauben, dass für Gott nichts unmöglich ist. Im Blick auf Gott sagt sie ihr persönliches, so entscheidendes „Ja“. Dieses Ja setzt den Anfang der Menschwerdung Gottes auf Erden und macht, auf menschlicher Seite, Gottes Heilsgeschichte möglich.

Zwischen dem 13. Und 16. Jahrhundert entwickelte sich das Angelusgebet - der sogenannte „Engel des Herrn“ - (Gotteslob Nr. 3,6), das den heutigen Festinhalt beim Angelusläuten unserer Kirchen jeden Tag morgens, mittags und abends verkündet.

Ist es nicht gerade in diesen Tagen sehr kostbar, beim Läuten der Glocken an die Verkündigung des Engels Gabriel erinnert zu werden und Gott zu bitten, dass er uns hilft in guter Hoffnung zu leben?

André Pollmann

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Impuls 22.03.2020

»Laetare« – Nach dem ersten Wort des uralten Einzugsgesangs hat der 4. Fastensonntag seinen Namen im liturgischen Kalender. »Laetare – Freue dich!« Wem ist am heutigen Sonntag nach ungetrübter Freude, Vorfreude auf Ostern hin, zumute? Im Text geht es noch weiter: »Et conventum facite – Und haltet Zusammenkunft!« Das können und sollen wir in diesen Tagen gerade nicht, aus verständlichen Gründen. Die Ansteckungsgefahr soll möglichst gering gehalten werden. Das Corona-Virus soll eingedämmt werden. Unser Gesundheitssystem soll nicht einknicken. Und trotzdem höre ich es immer wieder, meistens beim Einkaufen: Schade, dass es keine Gottesdienste gibt. Ostern ohne Gottesdienste – geht das überhaupt?

Auch das höre ich: Vielleicht haben die Maßnahmen auch einen positiven Nebeneffekt; von Entschleunigung und Besinnung ist die Rede. Es wird zwar weiterhin Mehl und Klopapier gebunkert. Es werden aber auch bei aller Verrücktheit der gegenwärtigen Situation kleine Zeichen gesetzt. Nachbarn bieten älteren und kranken Menschen ihre Hilfe beim Einkaufen an. Jemand kocht für einen anderen, der nicht mehr rausgehen kann. Und ich treffe beim Gassigehen mit dem Hund auf Menschen, die sehr freundlich und kommunikativ sind. Auf den empfohlenen Abstand wird geachtet. Aber auch auf kleine Zeichen von echter Mitmenschlichkeit.

Die Dämonen der Finsternis vertreibt man nicht dadurch, dass man die Gardinen zuzieht, die Rollläden herunterlässt und die Türen verschließt, sondern durch das Entzünden eines Lichtes, vielleicht nur einer kleinen Kerze. Man kann über die derzeitige Situation jammern. Es gibt berechtigte Fragen und Zweifel, ob wir wirklich alles richtig machen. Aber wir können auch etwas tun. Etwas Kleines und Unscheinbares, was sonst nicht Beachtung fände oder den Nachgeschmack frommer Duselei an sich hätte. Ein kurzes Gebet. Eine Kerze. Ein Vater unser. Ein Gedanke: Gott, wie mag es diesem oder jenem wohl jetzt ergehen? »Laetare ... et conventum facite – Freue dich ... und haltet Zusammenkunft.« Das machen wir eben jetzt anders, kleiner, verborgener. Aber vielleicht ehrlicher und aufrichtiger als sonst im ›normalen‹ Gottesdienst. Ich denke an Euch alle und möchte für Euch und mit Euch beten. Macht mit!

[Impuls von Pater Gottfried]

 

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