Geistlicher Impuls 18. April 2021

Liebe Leserin, lieber Leser!

Einmal mehr wird von uns viel abverlangt! Geduld, Durchhaltevermögen, Flexibilität, innere Stärke. Einmal mehr stehen wir vor der Frage, wie sich die nächsten Tage und Wochen für uns (überhaupt) darstellen werden. Vieles musste (wieder) über den Haufen geworfen werden. Wie z.B. Konfirmationsgottesdienste, die jetzt im April hätten gefeiert werden sollen. Und mit der Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt beginnt wieder das Hoffen und Bangen, ob der neue Termin gehalten werden kann, ob die Familien und vor allem die Konfirmandinnen und Konfirmanden sich auf dieses einmalige Fest vorfreuen können.

Shutdown und Lockdown ...     

Diese Wörter kennen wir. Sie sind zum Bestandteil des alltäglichen Wortschatzes geworden. Gemeint ist mit beiden Begriffen das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens. Ohne Glauben ist diese Situation m.E. schwer zu ertragen, weil der Blick nach vorne wie Kaffeesatzleserei ist.

Mit dem Glauben an den Auferstandenen aber habe ich die Kraft, das alles durchstehen zu können, weil ich nicht hoffnungslos bleibe.

Shutdown – Lockdown. Ostern funktioniert ähnlich. Das Leben herunterfahren, um nach der Phase des Stillstands neu zu beginnen. Das System wird komplett neu eingerichtet und rebootet!    

In vielen Gesprächen wird deutlich, wie sehr unsere menschliche Weisheit und Weitsicht Grenzen hat. Um so mehr wächst der Wunsch und die Sehnsucht nach Verlässlichkeit, nach einem Ankerplatz in diesen unruhigen Zeiten. Für uns Christinnen und Christen ist dies Jesus. Er hat Worte – bis hin am Kreuz - gewählt, die bis heute aktuell sind und Menschen nachhaltig prägen. Seine Worte haben u.a. Blinde sehen lassen und Hoffnungslosen neue Perspektiven eröffnet. Und in der jetzigen Situation schenken sie mir immer wieder neue Kraft und festes Vertrauen auf den Gott, der diese Erde in seinen Händen hält! Ein Schüler brachte das am letzten Montag in seiner Sprache auf den Punkt: “Wenn einer zu Ostern Eier hat, dann ist es Jesus!”

Die Osterbotschaft als trotzige Kraft zur Krisenbewältigung. Diese österliche Kraft wünsche ich uns allen, die gebunden ist an Gottes Geist der Besonnenheit und der Liebe. (2.Tim.1,7)

Ihr/Euer Jörg Eulenstein

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Geistlicher Impuls zu Ostern 2021

grabkirche

Die Grabeskirche in Jerusalem Foto: Liebschwager

 

Liebe österliche Gemeinde,

es gibt eine humorvolle Geschichte über Josef von Arimathia, der nach der biblischen Überlieferung seine Familiengrabstätte für den Leichnam Jesu zur Verfügung stellt.

Josef von Arimathia kommt nach Hause zu seiner Frau: "Du, Schatz, ich muss Dir etwas beichten" "Ja? Was denn?"  „Ich habe unser Familiengrab zur Verfügung gestellt.“ „Was hast Du?“ „Ja, ich habe unser Familiengrab zur Verfügung gestellt. Jesus wurde doch gekreuzigt und seine Freunde und die Familie hatten keine Grabstätte für ihn und - na ja - da hab ich eben unser Familiengrab zur Verfügung gestellt.“ „Bist Du verrückt?“ ruft seine Frau. „Das ist unser Grab, da hat schon dein Vater drin gelegen und Dein Großvater, das kannst Du doch nicht einfach weggeben.“ „Ach Schatz, nun beruhige Dich doch. Ist doch nur für drei Tage…“

Ist doch nur für drei Tage. Wenn es man immer so einfach wäre. Ist doch nur für drei Tage. Wenn alles Leid dieser Welt, alles Elend, alle Krankheit, aller Tod nach drei Tagen beendet wäre, dann bräuchten wir keine Angst zu haben. Aber unsere Erfahrung ist eine andere. Tot ist tot, Schmerz hält manchmal Wochen, manchmal Monate, manchmal ein Leben lang. Unsere Friedhöfe bestehen nicht aus leeren Gräbern, sondern sind Orte der Tränen und der Trauer, mehr als drei Tage lang. Schön wär's, wenn es anders wäre, aber es ist eben nicht anders. Schön wär's, dachten sich auch die drei Frauen, die morgens zum Grab gingen, zum Familiengrab des Josefs von Arimathia, um dem Verstorbenen noch einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Seinen toten Körper wollten sie salben und ihn nach jüdischer Tradition in Leinen wickeln. Und so kamen sie zum Grab, nach drei Tagen, Maria, Salome und die andere Maria, wie es im Markusevangelium heißt. Sie suchen den Leichnam, doch das Grab ist leer. Im Grab sitzen dagegen zwei Engel, die ihnen erklären, was geschehen ist.  Der Beweis der Auferstehung ist scheinbar erbracht. Nun sollten sie eigentlich loslaufen und sich freuen, es allen weitererzählen, ein großes Festmahl halten, Kerzen der Hoffnung anzünden, nichts davon passiert, genau das Gegenteil ist der Fall. Furcht und Zittern ergreift sie. Das leere Grab bedeutet nichts. Da könnten hunderte von Engeln drinsitzen, das leere Grab bedeutet nichts. Es gibt in der ganzen biblischen Tradition keine einzige Geschichte, in der das leere Grab Glauben geweckt hat, auch nicht bei den Frauen. Im Gegenteil: das leere Grab erzeugt keinen Osterglauben, sondern Furcht und Zittern.

 Ja, es macht Angst, dass all unsere Erfahrung, das, was unsere Welt im Innersten zusammenhält, all unsere Weisheit, unsere Welterfahrung, zu Ostern ad absurdum geführt wird. Unsere Erfahrung sagt: Tod ist Tod und Leben ist Leben. „Genieße das Leben ständig, denn Du bist länger tot als lebendig“, dieser Satz hing früher bei uns zu Hause im Flur. Du bist länger tot als lebendig, länger als drei Tage. Und so kann das leere Grab keinen Glauben wecken, weil es gegen unsere Erfahrung steht. Der Osterglaube ist ganz woanders gewachsen. Er ist dort entstanden, wo Jesus nach seinem Tod Menschen begegnete. In den Begegnungen mit dem Auferstandenen erfahren Menschen die Kraft Gottes, der uns nicht im Grab, im Tod belässt. Die Frauen erfahren ihn in Galiläa, dort, wo sich kein frommer Jude hin verirrt, die Emmausjünger erfahren ihn im gemeinsamen Abendmahl, nachdem er schon Stunden mit ihnen gegangen ist, die Jünger am See Genezareth erfahren ihn als Gestalt am See Genezareth, wo er ihnen beim Fischfang hilft, und sie sich fragen, wer das denn sei. Diejenigen, die auf ihren Wegen Jesus als Kraft Gottes erfahren, die begreifen, was es mit der Auferstehung auf sich hat, mit einem Wunder, das all unser menschliches Denken übersteigt, aber gleichzeitig unser Denken und Handeln verändert. „Christus ist auferstanden“, ist das erste Bekenntnis der Christen. Mehr hatten sie nicht. Es gab noch keine Evangelien, noch keine Weihnachtsgeschichte und keine Wundererzählungen. Dieses eine Bekenntnis „Christus ist auferstanden“ reichte aus, um Gemeinden zu gründen, um sich zu versammeln, zu singen, zu beten, das Mahl zu feiern. Bis heute ist das nicht anders. Unser Glaube lebt davon, dass wir aus den Begegnungen mit Gott leben. Gott bleibt lebendig in Begegnungen, in Erfahrungen in Zweifel und Hoffnung. Viele verwechseln schnell die Auferstehung mit der Himmelfahrt Jesu. Auferstehung ist aber gerade nicht die Entrückung aus dieser Welt, sondern die Gegenwart Gottes in dieser Welt.

Es gibt keinen einzigen Beweis, der wissenschaftlich haltbar wäre, für die Auferstehung Jesu. Keinen einzigen. Aber es gibt die Erfahrungen, die andere vor uns gesammelt haben und die wir selbst immer wieder  sammeln, die uns die Gewissheit geben, dass Jesus und mit ihm die Kraft Gottes unter uns lebendig ist und uns Kraft gibt, unser Leben zu gestalten. Begegnungen, aus denen wir anders herausgehen als wir hineingegangen sind, weil sich in uns etwas verändert hat. Erlebnisse, die wir im Nachhinein als Fingerzeige Gottes deuten. Das plötzliche Entdecken eigener Kraft um mit schwierigen Situationen umgehen zu können, Hilfe in schwierigen Situationen, auf die ich nicht zu hoffen gewagt hätte. Wir erfahren den Auferstandenen in unseren ganz alltäglichen Erlebnissen.

Das heißt aber auch, dass Gott nicht wie mit einem Paukenschlag alles anders macht. Josef von Arimathia schwindelt seine Frau an, wenn er sagt, es sei doch nur für drei Tage. Unsere Erfahrung mit Leid und Tod bleibt unsere Erfahrung. Es sind eben mehr als drei Tage, mehr als drei Wochen, manchmal ein Leben lang, in dem wir auch mit Leid und Tod, mit den dunklen Seiten unseres Menschseins leben und klarkommen müssen. Hat sich Gott damit vielleicht auch in den Ruhestand verabschiedet? Es scheint manchmal so, als habe er sich aus dieser Welt zurückgezogen, und das ist wohl auch eine der schwierigsten Herausforderungen und Anfechtungen für unseren Glauben. Schon Paulus hat das so empfunden, wenn er sagt: das Evangelium, das Wort vom Kreuz und Leiden Jesu, stellt sich für viele als eine Torheit dar. Ich glaube, es ist eine Gotteskraft, denn Gott selbst begibt sich in das tiefste menschliche Elend und stellt sich auch darin an unsere Seite. Auch mehr als drei Tage. Das erscheint absurd, aber darin hat unsere Hoffnung ihren Grund. Kein Leiden - noch nicht einmal der Tod - kann uns seitdem aus der Hand Gottes reißen.

Ich schreibe diese Zeilen in einer Zeit, in der wir durch den erneuten Lockdown nun schon zum 2. Mal am bedeutsamsten christlichen Feiertag keine Gottesdienste miteinander feiern und entspannt die österliche Freude genießen könnten.

Für mich ist es das zweite Mal in meinem Leben, dass ich nicht mit meiner Familie Ostern zusammenkommen kann.

In gerade diesen schwierigen Zeiten, wünsche ich Ihnen und Euch Erfahrungen mit dem Auferstandenen. Das leere Grab ist ein Zeichen dafür, dass die Lockdowns, die uns so sehr einengen, durch die Weite Gottes aus dem Weg geschafft werden, vielleicht bald, vielleicht wird es noch ein längerer Weg, aber es ist ein Weg, auf dem Gott uns hilft, unser Leben wiederzugewinnen.

Mit allen guten Wünschen für eine gesegnete Osterzeit

bin ich

Ihr/Euer

Martin Liebschwager

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Ökumenischer geistlicher Impuls am 28.03.2021

Seitenwechsel - auf der Seite Jesu stehen

 

Von einem großen Spektakel wird uns an diesem Sonntag, dem Palmsonntag, im Evangelium erzählt (Mt 21, 1-11). Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Alles ist perfekt vorbereitet, nichts wird dem Zufall überlassen. Mit einem Esel ist er unterwegs, und die Menschen am Weg sind außer sich vor Freude. Sie breiten ihre Kleider auf der Straße aus, schneiden Palmzweige von den Bäumen und singen vor Freude: „Hosanna in der Höhe. Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn."
Unglaublich, dieser Jubel! Ganz ausgelassen wird Jesus gefeiert. Wie ein großer Star.

Vielleicht haben Sie Ähnliches auch schon mal erlebt oder im Fernsehen gesehen?
Ich denke da an die Ankunft einer großen Fußballmannschaft mit ihren Stars nach einem großen Sieg. Alle sind außer Rand und Band. Sie freuen sich über den Triumph der eigenen Mannschaft. Sie säumen die Straßen, wollen das Team sehen und den Sieg feiern.


So muss das bei Jesus auch gewesen sein. Alle wollen ihn sehen.

Die Botschaft Jesu verbreitete sich damals sehr schnell. Viele Menschen hatten von ihm gehört und waren jetzt neugierig. Sie wollen diesen Mann sehen, der so viele Kranke geheilt hatte und durch Wundertaten aufgefallen war. Sie waren überzeugt, dass er der König sei, der sie aus ihrer Not befreien konnte. Ein Mann mit solchen Kräften. Große Hoffnungen setzen sie in Jesus.
Die Menschen litten damals unter den Machthabern im Land. Jesus sollte sie aus ihrer schlimmen Lage befreien. Deshalb stehen sie jetzt an der Straße, freuen sich und jubeln ihm zu: Hier kommt der Retter.

Aber nicht alle trauen Jesus. Viele kennen ihn noch nicht, sie fragen verwundert: „Wer ist das? Kann man ihm vertrauen? Ist er wirklich der Retter?" Unsicherheit macht sich breit, und die ganze Stadt gerät in Aufruhr. In dieser Situation entwickeln sich die weiteren Ereignisse. Die Stimmung schlägt um, Jesus wird festgenommen, man verurteilt ihn zum Tode, Jesus stirbt am Kreuz.

Ganz schnell stehen die Zeichen auf Ablehnung. Eben noch Begeisterung für Jesus, jetzt Ablehnung. „Ans Kreuz mit ihm", schreit das Volk später, als sich Pontius Pilatus, der Statthalter, an die Menge wendet. Plötzlich wechseln die Menschen die Seiten und wollen mit diesem Jesus nichts mehr zu tun haben. Viele, die ihm noch vertraut haben, merken auf einmal, dass sie alleine dastehen. Sie haben keinen Mut, für Jesus einzutreten.
Die Übermacht der Gegner ist zu groß. Da ist es sicherer, die Seiten schnell zu wechseln. So nehmen die Dinge ihren Lauf, und es kommt zur Verurteilung Jesu.

Wir Menschen wechseln oft die Seiten. Wir orientieren uns an dem, was die Mehrheit tut und haben keinen Mut, für unsere eigene Meinung zu kämpfen. Wir glauben, es sei einfacher, auf der Seite der Mehrheit zu stehen, das zu tun, was alle tun. Und von jetzt auf gleich wechseln wir die Seiten, stellen uns zum vermeintlich Stärkeren.

In der nun beginnenden Karwoche werden wir in den Gottesdiensten noch oft hören, wie sogar die engsten Freunde Jesu die Seiten wechseln, sich von ihm abwenden, ja, ihn sogar verleugnen. Ganz schnell kann das gehen, und niemand ist davor gefeit.

In diesen Tagen können und dürfen wir uns neu für Jesus entscheiden. Wir wollen auf seiner Seite stehen und mit ihm gehen. Die Palmprozession in Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem soll das zum Ausdruck bringen. Wir wollen zu Jesus stehen, weil wir überzeugt sind: Er ist unser Retter und Herr.                               

Matthias Mönig

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Ökumenischer geistlicher Impuls am Karfreitag 2021

Bei einem Fernsehinterview wurde Paul Simon gefragt, wie es zu dem Lied “Bridge over troubled water” gekommen sei. Paul Simon griff zur Antwort seine Gitarre.

Er spielte ein paar Akkorde und fing mit leiser Stimme an zu erzählen. Er erzählte davon, wie er vor sich hin probierte bis eine kleine Melodie auftauchte. Dann sang er diese Melodie. Und das, was er sang, waren die ersten vier Takte von O Haupt voll Blut und Wunden.

Jene sehr eindringlichen Worten über das Leiden und Sterben Jesu.

 

Bach-Choral "Oh Haupt voll Blut und Wunden"

 

Doch Paul Simon kam nicht vorwärts - er hing fest. So wie er seine Umwelt damals erlebte. Vietnam-Krieg. Kennedy-  und Martin-Luther-King-Mord. Rassenkonflikte. Der Kalte Krieg drohte heiß zu werden. Alles schien festgefahren.

Du steckst fest und suchst nach einem Ausweg. Doch egal, wohin du gehst: Es geht nicht weiter, wird nicht besser, wird nicht anders.

Und dann, in dieser festgefahrenen Situation, hörte er ein Gospellied und hörte die Worte:

“I’ll be a bridge over deep water if you trust in my name – Ich werde die Brücke sein, die über tiefes Wasser führt, wenn du an mich glaubst.”

 

Gospel - The Swan Silvertones-Oh Mary Don't You Weep

 

Und dann war alles da, die Musik und die Worte. Danach ging es weiter…

 

Heute am Karfreitag blicken wir zum Kreuz - und wissen, dass das Kreuz nicht das Ende ist.

Dass im Kreuz Jesus nicht gottverloren und gottverlassen war,

dass Gott im Leiden und Sterben ihm nahe war.

Und ihn da durch trug.

 

Und Paul Simon dichtete und sang:

„Wenn du müde bist, dich klein fühlst, und wenn Tränen in deinen Augen sind, dann werde ich sie alle trocknen. Ich bin auf deiner Seite. Wenn die Zeiten hart werden und wenn Freunde einfach nicht zu finden sind, dann werde ich mich wie eine Brücke über tosendes Wasser legen. …”

 

Eine Brücke über tosendes Wasser.

Jesu Kreuz.

Wir erleben immer wieder tosendes Wasser.

Rückschläge und Umwälzungen.

schwere Entscheidungen,

Momente der Überforderung und auch Ohnmacht,

dann, wenn die Grenzen der Kraft erreicht werden,

oder auch gesundheitlich; 

wenn die Begrenztheit des Lebens kein Wort mehr ist, sondern bittere Realität.

Das Kreuz als Brücke - über die Tiefen des Lebens - als Brücke über den Tod - im Glauben getragen zu sein - durch den gekreuzigten Gott.

                                                                       

Simon & Garfunkel - Bridge Over Troubled Water

 

Jörg Eulenstein

 

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Ökumenischer geistlicher Impuls am 21.03.2021

 

Ich möchte Ihnen heute mein ältestes Kuscheltier vorstellen. Sein Name ist Mochen (gesprochen Mooo-Chen), ein alter Bär. Mochen ist über 60 Jahre alt, mehrfach repariert, oder wie ich sage: operiert. Er trägt meine alten Kindersachen: mein Max-und-Moritz-Hemd und meine Schäfchenjacke. Mochen war mein engster Vertrauter, ihm konnte ich alles anvertrauen, Mochen war immer verschwiegen und stets auf meiner Seite. Wir habe viele schöne Zeiten miteinander geteilt, er kennt aber auch meine heimlich geweinten Tränen unter der Bettdecke, wenn es das eine oder andere Mal schwierig im Leben war. Mochen war und ist immer für mich da und hat bis heute immer noch einen Ehrenplatz in meinem Schlafzimmer.

Ich bin ohne Geschwister groß geworden, denen ich mich hätte anvertrauen können. Natürlich waren auch meine Eltern für mich da.

Für mich als Kind war es wichtig, mich auf meinen Bären verlassen zu können. Er gab mir Sicherheit und Geborgenheit.

Wir Menschen brauchen so etwas, jemanden, dem ich vertrauen kann, jemanden, der es gut mit mir meint, jemanden, der immer weiß, wie es mir gerade geht. Ich musste heute an Mochen denken, als ich den Wochenspruch für die vor uns liegende Woche las, überliefert am Ende des Matthäusevangeliums. Gemäß der Überlieferung in der Apostelgeschichte (Kap.1) ist der auferstandene Christus vor den Augen seiner Jünger entschwunden und in den Himmel erhoben worden. Im Matthäusevangelium verabschiedet er sich von seinen Jüngern mit den Worten:

Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende

Die Situation ist für die Jünger schwierig und sie sind sehr traurig. Wir erfahren das in der Apostelgeschichte vor dem großen Pfingstereignis, wie die Jünger ängstlich und deprimiert in Jerusalem hocken. Erst Pfingsten macht Ihnen deutlich, dass der Weg Jesu weitergeht, er sie begleitet und ihnen Kraft gibt, seine Botschaft weiterzutragen. Der Weg der Verkündigung war nicht immer einfach. Es gab Anfeindungen und auch Verfolgungen, aber die Apostel, wie die Jünger später bezeichnet wurden, konnten ihren Weg gehen, weil sie wussten: auch wenn Jesus nicht mehr leibhaftig unter uns zu sehen und zu erleben ist, bleibt er dennoch unser Begleiter und führt uns auf unseren Wegen, so wie er es uns versprochen hat.

Vertrauen in Gott können wir aber nur haben, wenn uns Gott immer wieder in Menschen begegnet. Und wenn wir anderen Menschen Vertrauen zeigen, dann wird Gott auch zwischen uns zum Ereignis.

In einem Gespräch, das ein Bekannter von mir mit einer klugen Frau unseres Ortes führte, sagte der Bekannte: „wir haben nur ein Leben“. Und die Frau antwortete: „nein, wir leben viele Tage, nur der Tod ist nur ein Tag.“

Ich möchte uns alle ermutigen, in den vielen Tagen unseres Lebens der Verheißung Jesu zu vertrauen:

Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 

Martin Liebschwager

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