Ökumenischer geistlicher Impuls am 30.05.2021

Eine alte russische Erzählung handelt davon, dass drei Mönche sich in den Tiefen der Wildnis verirrt hatten und keinen Weg mehr zurück in ihr Heimatkloster finden konnten. Daher beschlossen sie, nun an Ort und Stelle eine kleine Klosterhütte aus Bäumen für sich zu errichten. Dort lebten sie nun viele Jahre, bis der Abt ihres Heimatklosters sie endlich wiederfand, nachdem er lange Zeit nach ihnen gesucht hatte. Er erkundigte sich sofort bei den drei Mönchen, ob sie auch immer gehorsam die Gebete der Klostergemeinschaft gebetet hätten. Die drei mussten zugeben, dass sie in den Jahren der Einsamkeit leider all die traditionellen Gebete vergessen hatten. Doch sie hatten sich dafür ein neues Gebet überlegt, das sie fortan immer siebenmal am Tag zu Gott sprachen. Und voller Inbrunst stimmten vor den Augen des Abtes gemeinsam in dieses Gebet ein: „Gott, ihr seid drei, und wir sind drei. Herr, erbarme dich!“ Und der ansonsten so strenge Abt erkannte bei den drei Mönchen eine tiefe Frömmigkeit, die ihn innerlich sehr berührte.

Die drei Mönchen dieser Geschichte zeigen uns, dass wir Christen den EINEN UND EINZIGEN GOTT als eine Art vollkommener Gemeinschaft begreifen können: So lassen sich Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist voneinander unterscheiden („Ihr seid drei“) – doch gleichzeitig bilden sie miteinander eine so vollkommene Einheit, dass die DREI zusammen der EINE GOTT sind („Herr“). Der christliche Glaube bezeichnet das in einer Kurzformel als Dreifaltigkeit Gottes.

Man könnte jetzt lange darüber spekulieren, wie man sich die Dreifaltigkeit Gott eigentlich genau vorstellen kann. Schon viele christliche Denker haben das versucht und sind letztlich doch immer daran gescheitert. Aber für unser Glaubensleben könnte es ja schon ein Anfang sein, wenn die Rede von der Dreifaltigkeit uns immer wieder daran erinnert, dass unser Gott ein Gott der Gemeinschaft ist: Er selbst trägt Gemeinschaft in sich und er will dementsprechend, dass auch wir immer mehr zu einer guten Gemeinschaft miteinander finden, wo wir auf andere Menschen treffen – nicht zuletzt in unseren Familien und in unseren Kirchen.

Wahrscheinlich wird es Ihnen da so ähnlich wir mir gehen: Schnell bleiben wir im Alltag hinter dem Anspruch zurück, mit anderen eine wirklich gute Gemeinschaft zu bilden, die liebevoll und wertschätzend ist. Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, sich hierbei auch an den Mönchen aus der erwähnten Geschichte zu orientieren, wenn sie zu Gott rufen: „Herr, erbarme dich unser!“ Ihr Gebetsruf ließe sich an diesem Dreifaltigkeitssonntag auf folgende Weise ausdeuten und mitbeten:

„Gott der Gemeinschaft und der Liebe,

gib uns die Kraft, uns unseren Mitmenschen zuzuwenden – auch dann wenn es uns schwer fällt!

Schenke uns einen neuen gemeinsamen Anfang, wo wir im menschlichen Miteinander versagt haben.

Und öffne unsere Herzen für dich, der du die Gemeinschaft mit jedem Einzelnen von uns suchst.

Darum bitten wir euch drei, der ihr ein Einziger seid: Den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Amen.“

 

Matthias Piontek

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